Radfahren im Abseits

Der tägliche Trip durchs Feindesland Autoland.

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Störfaktor

Was macht eine Fahrradstrecke vom normalen Weg zur Arbeit zum Horrortrip? Das ist gar nicht so einfach festzulegen. Nach 46 Jahren Radfahrerfahrung versuche ich das mal in Worte zu fassen. Als ich vor Jahrzehnten mit dem Radfahren anfing, war das irgendwie alles ganz einfach: Fußgänger hatten einen Gehweg, Radfahrer benutzten die Straße. Die Fahrbahn teilten sie sich mit Autos, Motorrädern, Bussen, LKWs und in sehr seltenen Fällen auch Kutschen.
Irgendwann hat dieses natürliche Gefühl, dass man mit dem Rad auf der Straße richtig sei, nachgelassen. Der Fahrradfahrer wirkt wie ein Fremdkörper im Verkehr, doch eine eigene Fahrspur gesteht man ihm meist auch nicht zu.

Unsicherheit

Der sicher größte Faktor ist meiner Meinung nach die Sicherheit. Beleuchtung und Reflektoren sollten tiptop sein, keine Frage. Aber bei Leuchthelm, Leuchtweste, Leuchthandschuhen, Leuchtrucksack und Blinklichtern an fünf Stellen ist mir eines klar: Der Radler neben mir fühlt sich auf dieser Strecke schlichtweg nicht sicher. Das liegt zum einen natürlich an der Strecke selbst, aber auch an den Mitnutzern der Fahrbahn. Heute setzt man auf “bauliche Trennung” – früher nahm man einfach Rücksicht.

Unerwünschtheit

Ist mal kein Fahrradweg zur Hand, wird es schnell ungemütlich. Wer nicht in der vielspurigen Blechlawine der Hauptverkehrswege untergehen möchte (der Ausdruck “unter die Räder kommen” drängt sich mir ständig auf), sucht nach – manchmal längeren, aber vor allem ruhigeren – Alternativen. Wie sagt man so schön: “Ein dickes Fell wird angeprügelt.”

  • Die Straße hat keinen Fahrradweg: “Hier dürfen Sie nicht fahren!” – Warum eigentlich nicht?
  • “Auf dem Gehsteig dürfen Sie nicht schieben!“ – Ja, wo denn dann?
  • “Auf der Straße hier dürfen Sie nicht fahren!” (Ein Auto drängt mich in den Fußgängerbereich).
  • 100 Meter weiter: Ein Fußgänger macht dasselbe und drängt mich zurück auf die Straße. Witzig? Traurig? Grotesk!
  • Ein Polizist will, dass ich auf dem Gehsteig schiebe, weil ich die Einbahnstraße seiner Meinung nach falsch benutze. Das Schild “Ausgenommen Radfahrer” konnte er wohl nicht lesen … sind ja auch böse Wörter mit ganz vielen Silben.

Egal, ob ich hier geschoben habe oder gefahren bin, irgendjemandem hat es immer nicht gepasst. Nur eines ist klar: Einen Führerschein sollte keiner der oben Genannten besitzen, denn ich hatte nichts falsch gemacht. Selbst das Ausweichen auf den Gehsteig war in dieser Gefahrensituation berechtigt. Zudem ist es fast immer Nötigung, auch wenn ich mich mal nicht im Recht befinden sollte.

Unrecht

Vorfahrt hat der Stärkere.

Klimafaktor

Die Cancel-Culture-Anhänger wollen natürlich das Auto verbieten – ist ja per se böse, so eine Benzinschleuder! Oder den Sprit so teuer machen, dass nur noch die Reichen – die ja ohnehin schon mehr Schadstoffe pro Kopf ausstoßen – sich diesen Luxus leisten können.

Mein Tipp: Macht Radfahren einfach sexy! Tolle Radwege, das Radl hat Vorfahrt und der Radler hat recht. Denkt mal drüber nach.

This article was updated on April 20, 2026